6 wissenschaftlich erwiesene Geheimnisse des Apfelessigs

Bereits seit Jahrhunderten wird Essig für verschiedenste Haushaltszwecke verwendet. Er ist ein altes Hausmittel, von dem oft behauptet wird, dass er bei allen möglichen Gesundheitsproblemen helfen könnte. Die beliebteste Essigart in der natürlichen Gesundheits- und Wellness-Community ist der Apfelessig. Von ihm wird behauptet, alle möglichen und unmöglichen Vorteile zu haben, von denen einige aber tatsächlich von der Wissenschaft gestützt werden. Dazu gehören zum Beispiel Gewichtsverlust, Senkung von Blutzucker- und Cholesterinspiegel, sowie die Bekämpfung verschiedener Symptome, wie Sodbrennen.

Hier möchten wir Ihnen 6 Vorteile für Ihre Gesundheit vorstellen, die tatsächlich wissenschaftlich belegt und nicht nur „Internet-Mythen“ sind.

Hoher Essigsäureanteil, mit starker bioaktiver Wirkung

Essig wird in einem zweistufigen Verfahren gewonnen, ähnlich wie Alkohol. Im ersten Schritt wird Apfelbrei (oder Apfelmost) mit Hefepilzen versetzt, welche den enthaltenen Zucker vergären und in Alkohol umwandeln. Im zweiten Schritt werden der Alkohollösung Bakterien zugesetzt, welche den Alkohol weiter vergären und ihn in Essigsäure umwandeln, dem Hauptwirkstoff in Essig. Auf Französisch bedeutet das Wort "Essig" daher auch passenderweise "saurer Wein" (vinaigre).

Organischer, ungefilterter Apfelessig enthält zudem die sogenannte "Mutter". Das sind Proteinstränge, Enzyme und nützliche Bakterien, die dem Produkt ein trübes Aussehen verleihen. Viele Menschen glauben, dass die "Mutter" für die meisten gesundheitlichen Vorteile verantwortlich ist, obwohl es dazu leider noch keinerlei Studien gibt, die diese Sicht unterstützen würden.

Was belegt ist: Apfelessig enthält nur etwa 3 Kalorien pro Esslöffel. Er enthält nicht viele Vitamine oder Mineralien, aber eine kleine Menge an Kalium. Hochwertiger Apfelessig enthält auch einige Aminosäuren und Antioxidantien.

Fazit: Apfelessig wird durch Gärung des Zuckers in Äpfeln hergestellt. Dies macht sie zu Essigsäure, dem Hauptwirkstoff im Essig.

Bekämpfung von Sodbrennen1. Bekämpfung von Sodbrennen und Reflux

Wie bitte? Eine Essigsorte soll gegen Sodbrennen helfen? Der bittere Essig soll das vom Rückfluss des sauren Magenbreis verursachte Brennen bekämpfen? Das klingt erstmal seltsam. Fakt ist aber, dass Apfelessig basisch wirkt, dadurch den ph-Wert im Magen anhebt und somit auch den Säuregehalt senkt. So wird das unangenehmen Brennen hinter dem Brustbein schnell gelindert.

Anwendung: Bei Sodbrennen mischen Sie am besten einen Teelöffel Apfelessig in ein 0,3l Glas mit Mineralwasser und trinken das Ganze schnell aus. Achtung: Benutzen Sie ausschließlich Apfelessig und unter keinen Umständen den haushaltsüblichen Essig.

Fazit: Apfelessig wirkt durch den basischen ph-Wert sogar als ziemlich schnelles, natürliches Mittel gegen Sodbrennen und die Wirkung hält auch einigermaßen lang an. Der Geschmack ist natürlich trotzdem gewöhnungsbedürftig.

2. Senkt den Cholesterinspiegel und reduziert das Risiko von Herzerkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut Weltgesundheitsorganisation die derzeit weltweit häufigste Todesursache.

Es ist auch bekannt, dass mehrere messbare biologische Faktoren entweder mit einem verringerten oder erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang stehen.

In Studien wurde gezeigt, dass einige dieser "Risikofaktoren" durch den Konsum von Essig, insbesondere Apfelessig, verbessert wurden. Zu beachten ist aber, dass dies alles nur Tierversuche an Ratten waren.

Diese Tierversuchsstudien zeigten, dass Apfelessig den Cholesterin- und Triglyceridspiegel (Blutfett) senken kann.

Apfelessig kann auch die antioxidative sogenannte Chlorogensäure enthalten, einen Wirkstoff von dem belegt ist, dass er LDL-Cholesterinpartikel vor Oxidation schützt - ein entscheidender Schritt bei Herzerkrankungen (Studie 1, 2 ).

Weitere Forschungsergebnisse (Studie 1, 2 ) zeigen, dass Apfelessig den Blutdruck (einen großen Risikofaktor) bei Ratten reduziert. Leider funktioniert das, was bei Tieren funktioniert, nicht immer beim Menschen.

Der einzige Studie mit Menschen ist eine Beobachtungsstudie der Universität Harvard, welche zeigt, dass Frauen, die Salatdressings mit Essig zu sich nahmen, letztlich ein vermindertes Risiko für Herzerkrankungen aufwiesen. Diese Art Studie ist jedoch ungeeignet, Ursächlichkeiten zu belegen. Sie kann nur kann nur einen ZUsammenhang zeigen, aber nicht beweisen, dass der Essig hier irgendwie ursächlich wäre.

Fazit: Verschiedene Tierversuche haben gezeigt, dass Apfelessig Blutfett, Cholesterin und den Blutdruck reduzieren kann. Dies muss aber erst noch in Studien am Menschen bestätigt werden.

Abtöten von Bakterien3. Abtöten von Bakterien

Essig kann dazu beitragen, Krankheitserreger, einschließlich vieler Bakterien, abzutöten.

Daher kann Apfelessig äußerst effektiv für eine Vielzahl „reinigender Aktivitäten“ eingesetzt werden. Hippokrates, der Vater der modernen Medizin, nutzte schon vor mehr als 2000 Jahren bereits Essig zur Wundreinigung.

Folgende Anwendungsmöglichkeiten sind daher nur Beispiele, die Ihnen Anregungen geben sollen:

  • Einsatz als natürliches Deo
  • Bekämpfung von Schweißfüßen
  • Natürliches Mundwasser
  • Geruchsbekämpfung in Autos oder Räumen
  • Natürliches Halsschmerzmittel
  • Behandlung von Nagelpilz, Warzen, Ohrinfektionen...
  • Natürlicher, ungiftiger Allzweck-Haushaltsreiniger

Im Internet finden sich noch viele weitere solcher Anwendungen, die jedoch nicht durch die Forschung belegt sind.

Belegt ist hingegen, dass Apfelessig als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet wurde und Studien zeigen, dass dieser das Wachstum von Bakterien (wie E.coli) in Nahrungsmitteln hemmt und diese so haltbarer macht (Studien: 1, 2, 3, 4). 

Falls Sie also nach einem natürlichen Konservierungsmittel für Ihr Essen suchen... dann könnte Apfelessig genau das Richtige sein.

Es gibt auch Berichte von verdünntem Apfelessig, der bei Anwendung auf der Haut gegen Akne hilft, ich konnte dazu aber keinerlei Forschungsergebnisse finden.

Fazit: Essigsäure kann Bakterien abtöten oder sie an der Vermehrung hindern. Essig hat daher eine Geschichte als Desinfektions- und natürliches Konservierungsmittel.

Senkung des Blutzuckerspiegels4. Senkung des Blutzuckerspiegels und Bekämpfung von Diabetes

Die bei weitem erfolgreichste Anwendung von Essig bisher findet bei Patienten mit Typ-2-Diabetes statt.

Typ-2-Diabetes ist durch erhöhten Blutzucker gekennzeichnet, entweder im Zusammenhang mit einer Insulinresistenz oder der Unfähigkeit, Insulin zu produzieren.

Erhöhter Blutzucker kann jedoch auch ein Problem bei Menschen sein, die keinen Diabetes haben... Es wird angenommen, dass dies eine Hauptursache für das Altern und für verschiedene chronische Krankheiten ist.

Es sollte also im Grunde fast Jeder davon profitieren, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Der effektivste (und gesündeste) Weg, dies zu tun ist es, raffinierte Kohlenhydrate und Zucker ganz zu vermeiden. Aber es hat sich gezeigt, dass Apfelessig ebenfalls eine starke Wirkung entfaltet.

Forschungsergebnisse belegen, dass Apfelessig zahlreiche Vorteile für die Insulinfunktion und den Blutzuckerspiegel aufweist:

Aus diesen Gründen kann Essig also sehr nützlich sein für Menschen mit Diabetes, einem Vor-Diabetes oder für diejenigen, die ihren Blutzuckerspiegel aus anderen Gründen niedrig halten wollen.

Falls Sie derzeit blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, sollten Sie aber unbedingt Ihren Arzt konsultieren, bevor Sie an eine erhöhte Einnahme von Apfelessig denken.

Fazit: Apfelessig zeigt vielversprechende Vorteile bei der Verbesserung der Insulinsensitivität und bei der Senkung des Blutzuckerspiegels nach Mahlzeiten.

Hilfe beim Abnehmen5. Hilfe beim Abnehmen

Angesichts der Tatsache, dass Essig den Blutzucker- und Insulinspiegel senkt, ergibt auch die Tatsache Sinn, dass er dabei helfen kann, Gewicht zu verlieren.

Verschiedene Studien (1, 2) haben gezeigt, dass Essig durch Erzeugung eines Sättigungsgefühls dabei hilft, weniger Kalorien zuzuführen und dadurch einen echten Gewichtsverlust zu erreichen. Apfelessig in Verbindung mit kohlenhydratreichen Mahlzeiten kann erwiesenermaßen dazu führen, zwischen 200-275 Kalorien weniger pro Tag zu sich zu nehmen.

Eine weitere Studie mit übergewichtigen Personen zeigte, dass täglicher Konsum von Apfelessig zu einer Verringerung des Bauchfetts, des Taillenumfangs, des Blutfettgehalts (Bluttriglyzeride) und insgesamt zu einem Gewichtsverlust bei den Studienteilnehmern führte:

  • täglicher Konsum von 15 ml (1 Esslöffel): führte zu 1,2 kg Gewichtsverlust.
  • täglicher Konsum von 30 ml (2 Esslöffel): führte zu 1,7 kg Gewichtsverlust.

Bedenken Sie allerdings dass diese Studie aber über einen Zeitraum von 12 Wochen geführt wurde. Die Auswirkungen auf das Körpergewicht sind also wohl eher bescheiden...

Abgesehen davon gibt es aber ohnehin keine Wundermittel. Das Aufnehmen oder Weglassen einzelner Zutaten von Ihrem Speiseplan hat selten eine stark spürbare Auswirkung auf das Gewicht. Es ist eher die gesamte Ernährung und der Lebensstil, die zählen.

Insgesamt scheint es, dass Apfelessig beim Abnehmen helfen kann, vor allem durch die Senkung des Blutzucker- und Insulinspiegels, sowie durch ein Sättigungsgefühl. Aber erwarten Sie bitte keine Wunderdinge.

Fazit: Studien legen nahe, dass Apfelessig helfen kann, weniger Kalorien zu aufzunehmen, was widerum zu Gewichtsverlust führen kann.

6. Möglicher Schutz vor Krebs

Krebs ist eine schreckliche Krankheit, die durch unkontrolliertes Zellwachstum gekennzeichnet ist. Nun gibt es derzeit online jede Menge Hype zu den Anti-Krebs-Effekten des Apfelessig, aber was ist da tatsächlich dran?

Einige Forschungsergebnisse haben tatsächlich belegt, dass Essig Krebszellen töten und Tumore verkleinern kann (Studien 1, 2, 3, 4).

Alle diesbezüglichen Studien wurden jedoch mit isolierten Zellen im Reagenzglas oder anhand von Tierversuchen mit Ratten durchgeführt. Diese haben nicht unbedingt Aussagekraft für das, was in einem lebenden, komplexen menschlichen Organismus geschieht.

Darüber hinaus wurden die meisten Studien mit Reisessig und nicht mit Apfelessig durchgeführt. Zusätzliche Verwirrung bezüglich der Wirkung auf Krebszellen schaffen einige Beobachtungsstudien. Von denen zeigt eine, dass Essigverzehr mit vermindertem Speiseröhrenkrebs korreliert, wohingegen die andere Studie zeigt, dass Essigverzehr mit erhöhtem Auftreten von Blasenkrebs zusammenhängt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es möglich ist, dass Apfelessig behilflich dabei sein kann, Krebs zu verhindern. Aber es ist auf jeden Fall verfrüht, Empfehlungen auf der Grundlage der aktuellen Forschung abzugeben.

Fazit: Einige Reagenzglas-Studien haben gezeigt, dass Essig das Wachstum von Krebszellen verlangsamen und Tumore schrumpfen kann.

Anwendung, Dosierung und Nebenwirkungen

Es gibt viele wilde Behauptungen zu Apfelessig im Internet. Einige sagen, dass er das Energieniveau anhebt und alle möglichen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Leider sind viele der Behauptungen nicht von der Wissenschaft gestützt.

Natürlich bedeutet die Abwesenheit von Beweisen nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt und oft genug werden scheinbar „wilde Vermutungen“ später durch die Forschung tatsächlich belegt. 

Die hier gelisteten Vorteile sollen Ihnen nicht den Glauben daran nehmen, dass auch viele andere gesundheitlich positive Wirkungen von Apfelsessig möglich sind. Aber die Liste soll daran erinnern, dass eben Vieles von dem, was an anderen Stellen im Internet als Quasi-Fakt dargestellt wird, noch nicht durch die Forschung verifiziert ist.

Davon abgesehen, würde ich an Ihrer Stelle nicht zu sehr den Atem anhalten, um weitere Studien zu warten. Die Forschung bezüglich natürlicher Heilmittel wie diesen, ist rar und nicht selten vergehen von einer Studie zur nächsten zum selben Thema Jahrzehnte.

Aus den wenigen verfügbaren Belegen, dass Apfelessig hilfreich für die Gesundheit sein kann, lässt sich sicher ableiten, dass Sie bei Interesse gefahrlos damit „experimentieren“ können. Zumindest scheint Apfelessig sicher zu sein. Es gibt keine bekannten Nebenwirkungen bei normalem Verzehr.

Der beste Weg, Apfelessig in Ihre Ernährung aufzunehmen, ist sicher die regelmäßige Verwendung in Ihrer Küche... für Salatdressings, hausgemachte Mayonnaise und so weiter.

Der Ein oder Andere mag Apfelessig auch als Erfrischungsgetränk, verdünnt mit viel Wasser natürlich. Übliche Dosierungen reichen von etwa 1-2 Teelöffeln (5-10 ml) bis hin zu 1-2 Esslöffeln (15-30 ml) pro Tag.

Es ist auch möglich, Apfelessig in Kapselform einzunehmen, was ich aber nicht empfehle, da eine Studie von 2005 gezeigt hat, dass der tatsächliche Essiggehalt dieser Kapseln doch sehr fraglich ist. Außerdem existiert ein Bericht einer Frau, der so eine Apfelessigkapsel in Hals stecken geblieben war, und die sich dadurch Verbrennungen in der Speiseröhre zuzog.

Ich würde empfehlen, organischen, ungefilterten Apfelessig mit der "Mutter"-Komponente zu verwenden (z.B. von Bragg's oder Living Earth).

Des Weiteren hat Apfelessig auch verschiedene nicht gesundheitsbezogene Anwendungsmöglichkeiten, deren Ausführung hier zu viel wäre. Beispiele sind Anwendungen zur Haar-, Haut-, und Zahnpflege, sowie zum Haustiergebrauch (gegen Flöhe und Vieles mehr), um nur einige zu nennen. Gerade für Menschen, die es gerne „natürlich“ und möglichst Unchemisch“ im Alltag haben, ist Apfelessig hier womöglich ein willkommener „Alltagsheld“.
Als Fazit lässt sich aussagen, dass Apfelessig sehr wohl äußerst gesund zu sein scheint, er aber kein Wunder- oder Allheilmittel ist, wie mancherorts zu lesen. Wichtige gesundheitliche Vorteile kann man sich dabei vor allem bei der Kontrolle des Körpergewichts und des Blutzuckers versprechen.

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