Die Wirkung von Vitamin D

Einen Nährstoffmangel kennt man aufgrund der guten Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland kaum, mit einer großen Ausnahme: Dem Vitamin D. In Deutschland haben in den Wintermonaten 25% der Einwohner einen deutlichen Vitamin D Mangel, während weitere 35% eine unzureichende Vitamin D Konzentration haben, mit insgesamt 60% der Deutschen unter dem empfohlenen Vitamin D Sollwert (1) . In einem kürzlich veröffentlichten Artikel über Vitamin D wurde der neueste Forschungsstand von über 160 Studien dargestellt und soll hier in kürzerer Fassung wiedergegeben werden.

Gesunde Vitamin D Werte

Vitamin D ist wichtig, was aber ist eigentlich der erwünschte Wert und wie wurde der ermittelt? Der in Deutschland empfohlene Wert liegt bei über 75 nmol/L (30 ng/ml), wird anhand der Messung des Vitamin D Prohormons 25OHD im Blut festgestellt und stammt hauptsächlich aus Studien mit Osteoporose Patienten. Studien in denen Vitamin D Eigenschaften auf die Krebsvorbeugung oder Unterstützung einer Krebstherapie untersucht werden, setzen etwas höher an, nämlich bei über 100 nmol/L. Forschungsergebnisse zeigen, dass Naturvölker die dem Sonnenlicht in etwa so stark ausgesetzt sind wie unsere Vorfahren es einst waren, einen Blutpegel von 110 nmol/L aufweisen. Dieser kann als eine Art oberer Richtwert zu den vorgegebenen 75 nmol/L angesehen werden.

Vitamin D für ein starkes und ausbalanciertes Immunsystem

Vitamin D steuert sowohl Prozesse des angeborenen, als auch des adaptiven Immunsystems. Die erste Welle der Immunabwehr, das angeborene und unspezifische Immunsystem besteht aus Zellen die den Erregern zuerst begegnen. Vitamin D unterstützt diese Abwehr indem es die Freisetzung von körpereigenen antibiotischen Stoffen in den Immunzellen anregt und die Aufnahme als auch den Verdau von Erregern durch Fresszellen stimuliert (2).

Die zweite, gezielte Immunantwort erfolgt durch die Produktion von erregerspezifischen Antikörpern, welche die Eindringlinge als Angriffsziel für zahlreiche Immunzellen markieren. Vitamin D reduziert zu diesem Zeitpunkt der Immunantwort die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen und die Aktivität von entzündungsauslösenden Immunzellen (TH1 Zellen) und fördert eher die Produktion von Antikörpern und die Funktion von entzündungslindernden Zytokinen und TH2-Immunzellen. Somit wird der Erreger spezifischer und schneller beseitigt und die typischen Symptome einer Infektion als auch deren Schweregrad reduziert.

Man kann daher sagen, dass Vitamin D nicht nur das Immunsystem in seiner Aufgabe fundamental unterstützt, sondern auch eine Balance zwischen einer entzündungsvermittelten und entzündungshemmenden Immunantwort schafft.

Eine regelmäßige Einnahme von Vitamin D3 während der Winterzeit kann die Infektionsanfälligkeit und Häufigkeit von bakteriellen und viralen Infektionen der oberen Atemwege nahezu halbieren, zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Auswertung klinischer Studien (3).

Starke Knochen und Muskeln – von Athleten bis Senioren

Die Bedeutung des Sonnenvitamins wurde bereits früh erkannt, als die Einnahme von Vitamin D3 im Lebertran einer Knochendegeneration von Kleinkindern entgegenwirkte, die aufgrund des Aufwachsens in Großstädten und industrialisierter Umgebung kaum dem Sonnenlicht ausgesetzt wurden. Heute bekommen Neugeborene und Kleinkinder selbstverständlich eine passende und begleitende Vitamin D Dosis während ihres Wachstums.

Das was für Kleinkinder gilt, nimmt Erwachsene nicht aus. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D senkt das Vorkommen von Stürzen und Knochenbrüchen von Senioren. Einerseits durch die erhöhte Knochendichte, andererseits, weil Vitamin D die Muskelkraft stärkt und somit die tückischen Stürze verhindert, die bei Senioren aufgrund von mangelnder Körperkraft gehäuft vorkommen (4).

Vorbeugung von MuskelkaterAuch junge und sportliche aktive Menschen erleiden seltener Knochenbrüche aufgrund von Ermüdungserscheinungen, wenn der Vitamin D Spiegel stimmt, wie Studien mit Soldaten und Athleten zeigen (5).

Insbesondere die letzteren profitieren von Vitamin D, da dieses die Muskelkraft leicht steigert und auch die Infekt-Häufigkeit bei Athleten mindert (5). Vitamin D steigert die Proteinsynthese innerhalb der Muskulatur (6). Sportler, die viel Indoor trainieren, sollten daher ihre Vitamin D Werte kontrollieren und entsprechend anpassen.

Vitamin D aus Tabletten, Sonne oder Solarium?

Nun stellt sich die Frage ob und wie viel Vitamin D3 man braucht und woraus man es beziehen sollte. Lange wurde die Sonnenbestrahlung insbesondere zu Tageszeiten (10-16 Uhr) verteufelt, in denen der UV-B Gehalt im Sonnenlicht hoch ist. Dieses UV-B ist jedoch notwendig für die Bildung des Vitamin D3.Vitamin D aus Tabletten, Sonne oder Solarium?

Beugt Vitamin D wirklich Krebs vor?
Vitamin D spielt tatsächlich eine Rolle bei der Eindämmung von Krebserkrankungen. Dies liegt an der Aktivierung und Unterdrückung spezifischer Gene durch das eigentliche Vitamin D Hormon, das Calcitriol. Dieses unterdrückt die übermäßige Aktivität von sogenannten Onkogenen, welche in einer ungehemmten Zellteilung resultieren können. Vitamin D mindert in entarteten Zellen die Freisetzung von Botenstoffen, welche die Angiogenese (Blutgefäßbildung) und damit die Versorgung des Tumors fördern.

Obwohl die Bestrahlung mit Sonnenlicht mit der Entstehung einiger Tumore klar assoziiert ist, ist dies nicht so klar im Falle des Schwarzen Hautkrebs, dem Melanom. Vielmehr zeigt es sich, dass Menschen die in Büroräumen arbeiten häufiger an dieser gefährlichen Krebsart erkranken als jene die Gartenarbeit verrichten und mehr und häufiger der Sonne ausgesetzt sind (10). Manche Forscher vermuten es käme vielmehr auf die Besonnungsmuster an. Seltene und intensive Bräunungseinheiten sollte man vermeiden und sich eher häufiger dafür sanfter der Sonne aussetzen und Sonnenbrände vermeiden. Bereits 15-30 Minuten, je nach Hauttyp, können am Tag zwischen 10 und 16 Uhr ausreichend sein um zumindest im Sommer genug Vitamin D zu tanken. Im Winter ist es in Deutschland nahezu unmöglich die Vitamin D Vorräte durch das natürliche Sonnenlicht aufrechtzuerhalten, die im Sommer angelegten Speicher werden verbraucht.

Das Problem am häufigen Aufenthalt innerhalb von Gebäuden ist auch, dass sämtliches UV-B Licht durch Fenstergläser herausgefiltert wird und nur das UV-A Licht durchkommt. Dieses kann auch Schäden an der DNA hervorrufen, regt aber nicht im gleichen Moment die Bildung des tumorunterdrückenden Vitamin D3 an.

Auch ein Solariumbesuch füllt den Vitamin D Haushalt wieder auf.

Diese Fakten sind auch für regelmäßige Sonnenstudio-Besucher wichtig. Veraltete Geräte, die einen sehr hohen UV-A Anteil haben, bräunen zwar schnell und wirksam, regen aber nicht gleichzeitig die Vitamin D3 Produktion an. Dies entspricht nicht der natürlichen Sonne und könnte zusätzlich zu einem erhöhten Krebsrisiko beitragen, belegt wurde diese Theorie noch nicht. Das Risiko für Solarien Nutzer an Melanoma zu erkranken war Gegenstand vieler Beobachtungsstudien und statistischer Zusammenfassung (Meta-Analysen) dieser Studien.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2005 fand ein um 25% erhöhtes Risiko für Melanoma bei Solariennutzern, und das Risiko stieg auf 70%, wenn die erste Besonnung im Solarium bereits in jungen Jahren geschah (11). Eine Studienzusammenfassung aus dem Jahr 2012 sah ein um 25% höheres Risiko für Melanoma bei häufiger Nutzung von Solarien (12). Man sollte also ein häufiges Sonnen unter der Solariumbank eher vermeiden oder selten halten, insbesondere, wenn man noch jung ist.

Solarien sind keine idealen Vitamin D Lieferanten, aber auch nicht schwach in der Hinsicht, da eine einmalige, durchschnittliche Besonnung in einem herkömmlichen Solarium mit UV-B Anteil den 25-OHD Wert um ungefähr 5 nmol/L anhebt (13). Dies bedeutet jedoch nicht, dass jede weitere Besonnung im Solarium den Wert immer linear weiter nach oben bringt, da der Vitamin D Synthese ein sättigender Prozess zugrunde liegt.

Wichtig ist ein Mindestanteil von 2% oder besser 6% UV-B in Solariumgeräten (14). Bedenken Sie auch, dass die Intensität des Lichts von Bräunungslampen, die der Sonne bei weitem übersteigen und nicht häufig angewendet werden sollten.

Vitamin D3 kann auch in Form von Tabletten oder Öl eingenommen werden ohne die Haut zu belasten. Grundsätzlich gilt, dass 1000 I.E. täglich lediglich bei der Hälfte der Durchschnittsbevölkerung als Dosis ausreichen um den gewünschten Vitamin D Pegel von 75 nmol/L zu erreichen. Eine Dosis von 2000 I.E. hingegen erzielt diesen Wert bei 95% der Anwender und empfiehlt sich für diejenigen mit einem Mangel während der Wintermonate (15). Eine Dosis von 4000 I.E. gilt noch immer als sehr sicher und ist gesundheitlich unbedenklich, sollte aber nicht unbedingt überschritten werden solange nicht anders vom Arzt vorgegeben.


Literaturverzeichnis:

  1. Rabenberg M, Scheidt-Nave C, Busch MA, Rieckmann N, Hintzpeter B, Mensink GB. Vitamin D status among adults in Germany--results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). BMC Public Health. 2015;15:641.
  2. Gunville CF, Mourani PM, Ginde AA. The role of vitamin D in prevention and treatment of infection. Inflammation & allergy drug targets. 2013;12(4):239-45.
  3. Bergman P, Lindh AU, Bjorkhem-Bergman L, Lindh JD. Vitamin D and Respiratory Tract Infections: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. PloS one. 2013;8(6):e65835.
  4. Bruyere O, Cavalier E, Souberbielle JC, Bischoff-Ferrari HA, Beaudart C, Buckinx F, et al. Effects of vitamin D in the elderly population: current status and perspectives. Arch Public Health. 2014;72(1):32.
  5. Girgis CM, Clifton-Bligh RJ, Turner N, Lau SL, Gunton JE. Effects of vitamin D in skeletal muscle: falls, strength, athletic performance and insulin sensitivity. Clinical endocrinology. 2014;80(2):169-81.
  6. Girgis CM, Clifton-Bligh RJ, Hamrick MW, Holick MF, Gunton JE. The roles of vitamin D in skeletal muscle: form, function, and metabolism. Endocr Rev. 2013;34(1):33-83.
  7. Chlebowski RT, Johnson KC, Kooperberg C, Pettinger M, Wactawski-Wende J, Rohan T, et al. Calcium plus vitamin D supplementation and the risk of breast cancer. Journal of the National Cancer Institute. 2008;100(22):1581-91.
  8. Lappe JM, Travers-Gustafson D, Davies KM, Recker RR, Heaney RP. Vitamin D and calcium supplementation reduces cancer risk: results of a randomized trial. The American journal of clinical nutrition. 2007;85(6):1586-91.
  9. Mohr SB, Garland CF, Gorham ED, Grant WB, Garland FC. Could ultraviolet B irradiance and vitamin D be associated with lower incidence rates of lung cancer? Journal of epidemiology and community health. 2008;62(1):69-74.
  10. Garland FC, White MR, Garland CF, Shaw E, Gorham ED. Occupational sunlight exposure and melanoma in the U.S. Navy. Archives of environmental health. 1990;45(5):261-7.
  11. Gallagher RP, Spinelli JJ, Lee TK. Tanning beds, sunlamps, and risk of cutaneous malignant melanoma. Cancer epidemiology, biomarkers & prevention : a publication of the American Association for Cancer Research, cosponsored by the American Society of Preventive Oncology. 2005;14(3):562-6.
  12. Boniol M, Autier P, Boyle P, Gandini S. Cutaneous melanoma attributable to sunbed use: systematic review and meta-analysis. Bmj. 2012;345:e4757.
  13. Woo DK, Eide MJ. Tanning beds, skin cancer, and vitamin D: An examination of the scientific evidence and public health implications. Dermatol Ther. 2010;23(1):61-71.
  14. https://ods.od.nih.gov/factsheets/VitaminD-HealthProfessional/.
  15. Bischoff-Ferrari HA. Optimal serum 25-hydroxyvitamin D levels for multiple health outcomes. Advances in experimental medicine and biology. 2008;624:55-71.
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