Volkskrankheit Migräne

Wirksame Wege aus der Schmerzfalle

Immer mehr Menschen leiden an Migräne. Was löst sie aus? Was hilft? Wir zeigen, wie Sie sich wirksam vor dem hämmernden Schmerz im Kopf schützen.

Frau mit Migräne

Sie schmerzt unsagbar vom Nacken bis zu den Schläfen, führt zu Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Frösteln: Migräne zählt zu den häufigsten und leider auch unangenehmsten Alltagsbegleitern vieler Menschen. Um ihr vorzubeugen und Herr zu werden, ist vor allem eines wichtig: Die Aufmerksamkeit auf den eigenen Tagesablauf zu lenken. Was löst Migräne bei mir aus? Wie kündigt sich eine Attacke an? Und vor allem: Wie kann ich mir im Ernstfall schnell helfen? Wirksame Wege aus der Triggerfalle.

Die gute Nachricht zuerst: Die Migräneforschung ist im Vergleich zu der Forschung in den letzten Jahrzehnten so weit fortgeschritten, dass es mittlerweile sehr schnell wirkende Medikamente gegen die pochenden und hämmernden Kopfschmerzen gibt. Doch stetiger Medikamentenkonsum sollte auch bei Migräne keine Dauerlösung sein. Insbesondere deshalb, weil die Symptome zwar bekämpft werden, die Ursachen aber weiterhin bestehen bleiben.

Ursachen für Migräne: Nehmen Sie Ihren Alltag unter die Lupe

Sehr empfehlenswert ist es für Migränegeplagte deshalb, den Blick auf den eigenen Alltag zu lenken. Wo verbergen sich die typischen Migränetrigger? Was löst bei mir einen Migräneanfall aus? Wer das weiß, kann wirksam vorbeugen und die Migräne selbst ohne Medikamente gut in den Griff bekommen. Dafür ist es zunächst wichtig zu verstehen, dass die typischen Migräne-Trigger wie beispielsweise Stress oder Hormonveränderungen nicht die eigentlichen Ursachen der Migräne sind. Sie stoßen die Migräne letztendlich nur an und begünstigen sie. Die Ursache der Attacken liegt ganz woanders: Nämlich in einer übermäßigen Reaktion bzw. Reaktionsbereitschaft des Organismus auf einige wenige oder sogar mehrere Alltagsbedingungen, die dann in einer heftigen Migräneattacke enden.

Frau nimmt Kopfschmerztabletten gegen Migräne

Trotz neuester Forschungen gilt zwar, dass viele Migräneattacken nach wie vor plötzlich und ohne erkennbare Trigger auftreten, dennoch lassen sich einige Bedingungen eindeutig erkennen, die mit dem Auslösen eines Kopfschmerzanfalls in enger Verbindung stehen. Meist stehen sie im Zusammenhang mit plötzlichen Änderungen im Tagesablauf der Betroffenen.

Typische Migränetrigger im Alltag

  • Und immer wieder: Stress und Stressoren

    Zugegeben: Jeder hat eine andere Definition von Stress, Was für den einen stressig ist, kann für den anderen noch ganz entspannt sein. Umso wichtiger ist es, das eigene Stresslevel genau zu kennen und zu wissen, wann es zu viel wird. Typische Stressoren werden aber auch von der Forschung genau definiert. Zu ihnen zählen alle Reize, die zu einer Kompensationsbestrebung des Körpers führen, der sich den Stressoren anpassen will. Dazu zählen körperliche Belastungen, eine unglücklich machende Arbeitssituation bis hin zum Verlust eines Angehörigen. Jeder wertet dabei Stressoren unterschiedlich stark.

    Häufig können sich auch scheinbar unwichtige Faktoren kumulieren und zu einer Stressreaktion führen. Wenn die Nudeln überkochen, das Telefon klingelt und Sie gleichzeitig Ihr Kind vom Kindergarten abholen müssen, dann ist das in der Summe eben einfach stressig! Übrigens: Selbst besonders ausgeprägte positive Emotionen können eine Migräneattacke auslösen. Stressoren können also auch eigentlich positiv sein, sich aber negativ auswirken.
  • Wenn es zu viel wird: Erschöpfungszustände

    Sie haben wochenlang die Hochzeit Ihrer besten Freundin mit vorbereitet, mehrere Dienstreisen absolviert, zwei stressige Kindergeburtstage hinter sich oder sich bei der Vorbereitung für einen Marathon übernommen? Im Laufe des Lebens gibt es immer wieder Phasen, in denen wir körperlich und psychisch an unsere Grenzen kommen oder diese sogar überschreiten. Werden dann noch Mahlzeiten ausgelassen und der Tagesrhythmus durch weitere Faktoren ungeplant verändert, ist die nächste Migräneattacke nicht mehr weit.
  • Kontinuität, bitte: Schlaf- und Wachphasen

    Schon Mama und Papa wussten: Acht Stunden Schlaf sind wichtig, um am nächsten Tag erholt und ausgeschlafen zu sein. Die neue Migräneforschung weiß: Es kommt nicht auf die Dauer des Schlafes an, sondern auf die allgemeine Kontinuität. Typisch sind deshalb auch Migräneattacken am Wochenende, wenn eigentlich Entspannung vorherrschen sollte, der Körper aber durch den veränderten Schlafrhythmus aus der Bahn geworfen wird. Ein ausgewogener und regelmäßiger Schlafrhythmus ist deshalb besonders wichtig.
  • Weitere bekannte Migränetrigger sind außerdem hormonelle Veränderungen, die Einnahme spezieller Medikamente oder bestimmter Lebensmittel, Alkoholkonsum und Wetterveränderungen. Allgemein gilt aber: Achten Sie auf sich und Ihre Trigger. Sollten Sie Auffälligkeiten erkennen, lohnt sich ein Ausprobieren, um wirklich sicher zu sein und sinnvoll vorbeugen zu können.

Vorbeugung: Damit Sie die Migräne nicht mehr erwischt

Zugegeben: Wer unter Migräne leidet, der wird selbst durch viel Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle kaum jeden Schmerzanfall vermeiden können. Aber: Mit bestimmten Strategien können Sie dem lästig pochenden Kopfschmerz entweder komplett Paroli bieten oder ihn in seiner Häufigkeit und Schwere zumindest deutlich in die Schranken weisen. Die eigentliche Ursache der Migräne, also die spezifische Reaktionsbereitschaft unseres Organismus auf besondere Reize, kann derzeit medizinisch nicht behoben werden. Denn dafür müsste man nicht nur die Reaktionsmechanismen genau kennen, sondern auch direkt in die Funktionsweise des menschlichen Gehirns eingreifen. Deshalb gilt es, Auslösefaktoren zu vermeiden, die Anfallsbereitschaft zu reduzieren und die akute Migräne im Ernstfall schnell und wirksam zu behandeln.

  • Auslöser vermeiden

    Wenn Sie merken, dass helles Licht, heißes Baden, bestimmte Gewürze, Gerüche oder das Heben schwerer Lasten immer wieder einen Migräneanfall zur Folge haben, dann sollten Sie diese Auslöser dringend vermeiden. Vielfach lässt sich damit schon eine deutliche Besserung erreichen, die Sie zur Selbstkontrolle in einem Kopfschmerztagebuch festhalten können. Natürlich gilt: Gerade psychische Auslöser wie Angst, Stress oder Traurigkeit lassen sich nie vollkommen ausschalten. Wenn Sie allerdings bemerken, dass jene Faktoren für Ihre Migräne verantwortlich sind, kann auch ein veränderter Umgang mit Stress in Kombination mit Freizeitausgleich und Entspannungsmethoden wie der Progressiven Muskelentspannung zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen.
  • Mehr Rhythmus, weniger Beschwerden: Ihr Alltag

    Die Migräneforschung hat gezeigt, dass vor allem plötzliche Veränderungen im Tagesablauf Migräne auslösen können. Das bedeutet im Umkehrschluss zwar nicht, dass Sie ab jetzt nach strengem Tagesplan und Stechuhr leben müssen; ein gut geplanter Tagesrhythmus mit genügend Pausen und Entschleunigung erweist sich dennoch als hilfreich. Wichtig: Sie geben den Rhythmus vor und kommunizieren klar, dass Ihre Regeln bei Ihren Mitmenschen berücksichtigt werden. Ein schriftlich festgehaltener Wochen- oder Tagesplan kann hierbei helfen. Achtung bei To-do-Listen: Diese sind zwar sehr sinnvoll, sollten aber immer realistisch geplant werden!
  • Macht den Kopf wieder frei: Bewegung

    Bei einer heftigen Migräneattacke verschlimmert Bewegung den Schmerz eher, als dass sie sie auflöst. Aber: Wer regelmäßige Bewegung in seinen Tagesablauf integriert, wird wahrscheinlich eine Verbesserung der Migräne erkennen können. Wichtig ist hierbei die Auswahl der richtigen Sportart. Schnelle sportliche Aktivitäten und schlechtes Aufwärmen können die Migräne verstärken. Achten Sie deshalb auf entspanntes Training in Form von Walking oder Jogging, Schwimmen oder Radfahren.

Wenn´s doch passiert: Schnelle Hilfe bei Migräneattacken

Sicherlich lässt sich nicht jeder Schmerzanfall vermeiden. Umso wichtiger sind schnelle Soforthelfer, die den Schmerz lindern und den Anfall verkürzen können. Kalte Tücher oder Eisbeutel im Nacken und auf der Stirn sind eine hervorragende Möglichkeit, den Schmerzgrad zu reduzieren. Auch Nelkenöl, Gewürznelken, Kampfer und Ingwer gehören zu den natürlichen Schmerzhemmern. Zwar schmeckt purer Ingwer äußerst gewöhnungsbedürftig, wer jedoch ein größeres Stück der Wurzel kräftig kaut, wird sofortige Wirkung verspüren.

Trinken Sie den Schmerz weg – mit Heilkräutertee!

Baldrian-, Scharfgabe-, Rotbusch-, Weidenrinde, Sauerkirsche- oder Nelkentees können ebenfalls helfen. Gerne dürfen davon während eines Anfalls auch mehrere Tassen getrunken werden. Ein Teelöffel reicht für 250 ml. Wer keine Tees trinken möchte, der probiert es mit einer Kompresse aus rohen Zwiebeln, die ja auch schon für ihre Wirksamkeit bei Zahn- und Ohrenschmerzen bekannt sind. Einfach auf die Stirn legen und sich an der schnellen Wirkung erfreuen.

Übrigens: Auch Homöopathie soll gegen Migräne helfen. Lassen Sie sich am besten bei Ihrem Arzt oder Heilpraktiker über alternative Formen der Migränebehandlung beraten.

Kopfschmerzen wegmassieren

Kopf- und Nackenmassage

Wenn der Kopfschmerz beginnt, fangen viele Betroffene unbewusst an, Stirn und Schläfen zu massieren. Tatsächlich gibt es einige Akupunkturpunkte am Kopf, die beim Entspannen helfen. Wer bestimmte Punkte über den Augenbrauen, an Schläfen, Nacken und Händen aktiviert, nimmt Spannung aus der Muskulatur. Sind die Kopfschmerzen durch Verspannungen am Nacken entstanden, nehmen sie nun langsam ab.

Machen Sie es sich gemütlich, geben Sie etwas Pfefferminzöl auf Ihre Stirn, massieren Sie die Schläfen, legen Sie ein warmes Kirschkernkissen um Ihren Nacken und entspannen Sie Körper und Geist bewusst. Dann werden die Schmerzen bald nachlassen.

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